Ein schwedisches Institut befragte unlängst 9.440 europäische Unternehmen, inwiefern die auf Allzeittief stehenden Zinsen ihre Investitionsentscheidungen beeinflussen. Die Antwort war eindeutig: für 84% spielt das Zinsniveau keine Rolle. Viel wichtiger für Investitionsentscheidungen sei politische Stabilität begleitet von wirtschaftlicher Zuversicht. Insofern könnte die hartnäckige Niedrigzinspolitik der EZB sogar kontraproduktiv sein, schürt sie doch das unbehagliche Gefühl, dass nicht alles in Ordnung ist. Ganz anders in den USA. Dort sehen die Börsianer fast schon mit Vorfreude einem weiteren Schritt zur Normalisierung in Form einer zweiten moderaten Zinserhöhung entgegen.

Kraftvolle und dynamische Aufwärtsentwicklung aller global bedeutenden Indizes außer China

Wie aus dem Nichts startete am 24. Mai um 9.37 Uhr eine ausgesprochen kraftvolle und dynamische Aufwärtsentwicklung. Sie erfasste in Sekundenschnelle alle global bedeutenden Indizes außer China und setzt sich bis zum heutigen Montag ohne nennenswerte Unterbrechung fort. Dies spiegelt sich gut erkennbar im apano-Stimmungsindex wider. Während China – und im Gleichschritt damit auch das wichtige Industriemetall Kupfer – weiterhin Trübsal blasen, sind die anderen für die Messung relevanten Aktienmärkte allesamt leicht (Japan) bis ausgeprägt (DAX/S&P500) positiv gestimmt. Ruhe herrscht bei Währungen und Anleihen – abgesehen von der positiven Sonderbewegung bei den Griechenbonds. Die Volatilitäten und Kreditausfallrisiken zeigen sich ausgesprochen entspannt und das Krisenbarometer Gold erlebte seine zweite Horrorwoche in Folge. Ganz eindeutig: die Investoren sind derzeit überwiegend zuversichtlich und durchaus risikofreudig.

Unsicherheitsfaktoren im Juni: Venezuela und Brexit

Der Juni wird mit zwei Unsicherheitsfaktoren aufwarten: zum einen könnte die täglich dramatischer werdende Situation in Venezuela eskalieren und zum andern erwartet uns am 23. Juni die Entscheidung der Briten zum EU-Referendum. Es ist zu erwarten, dass in den Tagen zuvor viele Anleger absichernde Maßnahmen treffen. Dies muss aber nicht zwingend die Börsen unmittelbar tangieren, da dies auch über den Options- und Terminmarkt möglich ist. Zudem glaubt eine Mehrheit nach aktuellstem Stand ohnehin an den EU-Verbleib. Über ein drittes Ereignis – einen potenziell möglichen Terroranschlag während der EM – möchte ich nicht nachdenken. Aus markttechnischer Sicht sieht die Sachlage momentan recht einfach aus: es wird nämlich jetzt „nur noch“ darauf ankommen, ob der wichtigste Aktienindex der Welt, der S&P500, die große Hürde von 2130 Punkten überwinden kann. Das wäre ein neues Allzeithoch, der S&P500 hätte seine einjährige Konsolidierung abgeschlossen und damit wäre aus technischer Sicht der Weg nach oben frei. Aber es gilt auch der Umkehrschluss: er darf nun nicht mehr unter 2040 Punkten schließen, sonst droht eine durch Enttäuschung ausgelöste größere Abgabewelle und die Weltmärkte würden eine weitere mehrmonatige Konsolidierungsrunde drehen müssen. Unterstützung für die Haussekräfte könnte aus Japan kommen: es gibt Gerüchte, wonach die für April 2017 geplante zweite Anhebungsstufe der Umsatzsteuer auf 2019 verschoben werden soll.

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