70% der Marktteilnehmer erwarten inzwischen eine Zinsanhebung in den USA im Dezember. Denn erstens fielen die jüngsten Konjunkturdaten robust aus und zweitens hat die FED längst mit der Verbaleinstimmung darauf begonnen. Die Absicht der Notenbanker, die Märkte nicht schockartig zu überraschen, ist ihr damit gelungen. Insofern es keine dramatischen Verwerfungen gibt, sollte die Anhebung als sicher gelten. Die Märkte preisen dies bereits seit Tagen ein, in freilich dramatischem Tempo: seit Ende September sind die US-Renditen für 10jährige Staatsanleihen von 1,60% auf 1,80% hoch geschossen und liegen inzwischen bereits um fast ein halbes Prozent über dem historischen Tief von Anfang Juli. Dieser Effekt ist deutlich am USD-Wechselkurs zu sehen. Die US-Währung schießt gegen alle anderen wichtigen Währungen nach oben. Zudem beeinflusst der US-Zinsanstieg natürlich auch die Anleihen hierzulande und zieht diese – trotz weiterhin massiver EZB-Käufe – ebenfalls deutlich hoch.

Industrienationen Europas und Japan begrüßen den starken Dollar

Die Börsen der Industrienationen Europas sowie Japan begrüßen den festen US-Dollar, spült er doch den Exporteuren schöne Umtauschgewinne in die Kasse. Deshalb sind hier trotz steigender Zinsen die Börsianer gut  gelaunt. In den USA jedoch steht die Stimmung auf der Kippe: der duale Druck aus steigenden Kreditzinsen und teurer Währung wirkt drei Wochen vor den US-Wahlen sicher nicht ermutigend. Da die Berichtssaison in dieser Woche auf Touren kommt, können höchstens aus dieser Ecke positive Überraschungen kommen. Andererseits wird Mario Draghi am Donnerstag die generelle Stimmung beeinflussen. Leider ist die Gefahr groß, dass er enttäuschen wird. Denn der Basiseffekt der Energiepreise fängt nun an zu wirken: erstmals in 2016 sind die Ölpreise oberhalb des Standes von vor 12 Monaten. Zudem verteuert der feste US-Dollar unmittelbar die Importpreise. Die EZB ist fast am Ziel.

apano-Stimmungsindex bekommt unterschiedliche Signale

Die im apano-Stimmungsindex enthaltenen Indikatoren weisen deshalb in unterschiedliche Richtungen. Während aus Europa und Japan „volle Punktzahl“ kommt, senden S&P500 und US-Volatilitätsindex leicht negative Signale. Auch die Stimmung für die Schwellenländer hat sich wegen der steigenden US-Zinsen leicht eingetrübt, dasselbe gilt für die südeuropäischen Anleihen. Weiterhin Entspannung hingegen beim Krisenmetall Gold und bei den Preisen für die Absicherung von Krediten schlechterer Schuldner.

USA und Schwellenländer leiden unter der Dollarstärke

Während der US-Dollaranstieg vor einer Woche noch positiv bewertet werden konnte, war sein Anstieg zuletzt einfach zu stark ausgeprägt. Dies belastet nicht nur die USA, sondern auch die Schwellenländer. Da aber andererseits ein fester USD die Börsen in Europa und Japan stimuliert, dürften sich die Effekte auf globaler Ebene weitgehend ausgleichen. Die Berichtssaison wird natürlich für starke Einzelbewegungen sorgen. Noch belasten die negativen Basiseffekte des dramatischen Ölpreisverfalls von Sommer 2015 bis Frühjahr 2016 die Bilanzen der Energieunternehmen schwer. Dies dreht sich aber bald ins genaue Gegenteil um. Unter Ausklammerung dieser Branche ist der US-Markt längst nicht so teuer wie weithin behauptet. Allzu viele Sorgen braucht sich der Anleger deshalb derzeit nicht zu machen, insofern er Regionen und Branchen im Auge behält und erforderlichenfalls notwendige Feinsteuerungen vornimmt. Sollte Herr Draghi am Donnerstag die Marktteilnehmer enttäuschen, könnte dies eine gute Gelegenheit für Zukäufe begründen.

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