Die Diskussion um Schattenbanken muss auf eine Sachebene zurückgeholt werden. Statt das Thema auf Hedgefonds zu reduzieren, sollten die wahren Fakten beleuchtet werden. Das Thema Regulierung ist viel zu ernst, als dass es dem Populismus ausgeliefert werden darf.

Die Entscheidung von Politik und Aufsicht, Schattenbanken in Zukunft zu regulieren, ist aus meiner Sicht aber sehr begrüßenswert. Eine derartige Regulierung kann dazu beitragen, das weltweite Finanzmarktsystem zu stabilisieren. Die derzeitige Diskussion um Schattenbanken stigmatisiert allerdings Hedgefonds erneut zu den bösen Buben des Finanzmarkts und ist daher verlogen. In der öffentlichen Wahrnehmung bilden diese den größten Teil des Schattenbanksystems, hinter dem laut Financial Stability Board (FSB) 2011 ein Volumen von grob 46 Billionen Euro stand. Hedgefonds verwalten weltweit laut Branchendienst HFRI im 1. Quartal 2011 allerdings lediglich 2,1 Billionen US-Dollar und machen so nur 3,6 Prozent des Schattenbankvolumens aus. Dieser Anteil verringere sich weiter vor dem Hintergrund, dass nicht alle Hedgefonds Tätigkeiten ausführen, die dem Schattenbanksystem zuzurechnen sind.

Zu den Fakten gehört: Schattenbanken sind einem Bericht des FSB von Oktober 2011 zufolge Einrichtungen der Kreditvermittlung, an der Unternehmen und Tätigkeiten außerhalb des regulären Bankensystems beteiligt sind. Dazu zählen Zweckgesellschaften, die Liquiditäts- und/oder Fristentransformationen durchführen, Geldmarktfonds sowie Investmentfonds, die Kredite zur Verfügung stellen oder mit Fremdmitteln arbeiten. Im Bereich Investmentfonds werden in Europa einige Aspekte des Schattenbankwesens bereits in der AIFM-Richtlinie (Alternative Investment Fund Managers Directive) behandelt. Und auch Hedgefonds werden durch diese Richtlinie einer Aufsicht unterstellt und damit ein großer Teil ihres Volumens kontrolliert. Darüber hinaus schließt das Schattenbanksystem Finanzierungsgesellschaften und Wertpapierhäuser mit ein, die Kredite oder Kreditgarantien bereitstellen oder Liquiditäts- und/oder Fristentransformationen durchführen, ohne dabei der gleichen Regulierung zu unterliegen wie Banken, sowie Versicherer und Rückversicherer, die Kreditprodukte ausgeben oder garantieren.

Eben diese Fakten müssen in der Diskussion um Schattenbanken wieder auf den Tisch. Nur so können eine vernünftige Regulierung auf den Weg gebracht und das globale Finanzsystem dauerhaft stabilisiert werden.

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One thought on “Debatte ohne Populismus führen”

  1. sehr guter Artikel. Meist wird versucht, anhand der Medien, die „Schuld“ auf die Hedgefonds -Branche geschoben werden.

    Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass internationale Banken komplett die gleichen Strategien verfolgen, wobei deren Exposure meist wesentlich höher als jenes der Hedgefondsindustrie ist!

    Die Hedgefondsindustrie dient wohl als Sündenbock, weil einfach zu wenig Leute über die wirkliche Bedeutung und den Strategien von Hedgefonds bescheid wissen!

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