Die EU spannt einen Rettungsschirm nach dem anderen auf, doch die Euro-Krise ist immer noch nicht abgewendet. Unter den Wirtschaftsexperten ist sogar ein Streit über die Auswege aus der Misere entbrannt. In Zeiten der Schuldenkrise ist der Anleger einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt. Was bleibt, ist Orientierungslosigkeit.

Da war es aufschlussreich, letzte Woche in Ettlingen live vor Ort zu erleben, was den Anleger derzeit besonders bewegt. Zu dem Informationsabend „Gut angelegtes Geld“, den ich gemeinsam mit Gastgeber Heinz Rudek, Finanz- und Unternehmensberater, gab, kamen 40 Gäste. Ich traf auf ein sehr interessiertes und versiertes Publikum. Nach meinem Fachvortrag kamen viele Fragen. Soll ich in Sachen Kapitalanlagen weiter zurückhaltend sein? Ist nur allgemeine Vorsicht geboten? Ich sehe bei diesen Fragen auch den bekannten Konflikt zwischen Angst und Gier. Kaum ein Anleger kann sich der Angst, die die Marktunsicherheiten mit sich bringen, mehr entziehen.

Die Angst rührt daher, dass es kaum jemanden gibt, der nicht jemanden kennt, der sich bei Kapitalanlagen in die Nesseln gesetzt hat. Mit eigenem Geld will sich jeder diese Erfahrung ersparen. Auf der anderen Seite hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass Angstsparen – egal ob es sich um Bargeld in der Zigarrenkiste oder Tagesgeldtourismus handelt – nach Steuern und Inflation ein reales Minusgeschäft bedeutet. Auch nicht so schön! Daraus folgt, dass Anleger schon mit einer gewissen Renditeforderung kalkulieren. Ob 6 Prozent p.a. gierig sind, lasse ich dahin gestellt. Diese 6 Prozent p.a. nachhaltig zu erreichen, ist ohne Diversifikation und Disziplin nicht möglich. 80 Prozent des Anlageerfolgs hängen an der richtigen Strategie und der richtigen Zusammensetzung des Portfolios.

Zum Ende des Abends waren wir uns einig, dass es wohl noch Jahre dauern wird, bis wieder „normale“ Zeiten an den Kapitalmärkten einkehren. Die unklaren Marktkonstellationen lassen kaum eindeutige Prognosen zu. Doch Angstspar-Credos wie „Das haben wir immer schon so gemacht“ oder „Diesmal wird alles anders“ sind zwei Sätze, die sehr teuer werden können.

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