Die Notenbanken Japans und der USA haben geliefert, was von ihnen erwartet wurde. In Erleichterung darüber sprangen letzten Donnerstag die Preise sämtlicher Anlageklassen gleichzeitig hoch. Das lässt die Interpretation zu, dass die Anleger ihrer Kasse Liquidität entnahmen und ihren Investitionsgrad erhöhten. Das ist insofern bemerkenswert, da in den Wochen zuvor Geld an den Märkten hauptsächlich lediglich hin und her geschoben wurde.  Inzwischen mehren sich die Stimmen, die davon ausgehen, dass die Zinsen der großen Nationen bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf Grund des ausbleibenden Inflationsdrucks und der zögerlichen Investitionsneigung auf dem derzeitigen Extrem-Level verharren werden. Nutznießer dieser um sich greifenden Überzeugung sind in erster Linie die Rentenmärkte in den USA und in Deutschland. Nach einer kleinen Verschnaufpause starteten deren langfristige Anleihen wieder durch. Da aber die Emissionen schlechterer Bonitäten ebenfalls zulegen konnten, interpretieren wir die Wertsteigerung der Top-Anleihen nicht als Grund zur Besorgnis.

Schwacher Dollar lässt Industriemetalle steigen

Auch die Industriemetalle zeigten sich zuletzt spürbar erholt. Dies beeinflusst den apano-Stimmungsindex zwar positiv, jedoch muss das Ergebnis interpretiert werden. Die Preise der Industriemetalle steigen derzeit wegen des schwächeren Dollars und ihrer Charaktereigenschaft als Asset mit leicht alternativem, diversifizierendem Charakter zu Aktien und Anleihen – nicht wegen echter Nachfragebelebung. Trotzdem: der Anstieg der Rohstoffpreise, die niedrigen US-Zinsen und der schwächere US-Dollar sind gute Nachrichten für die Schwellenländer. Die Emerging Markets zeigen sich deshalb sowohl von der Aktien- als auch von der Anleiheseite überwiegend entspannt. Zu beobachten ist jedoch der chinesische Markt. Der Shanghai Composite Index ist, wenn auch nur hauchdünn, aus seinem kurzfristigen Aufwärtstrend heraus gerutscht.

US-Präsidentschaftswahl lähmt die Märkte

Warum der wieder gewonnenen Risikofreude der Anleger nicht so recht zu trauen ist, erklärt sich aus dem Blick auf die etablierten Aktienindizes. Kein einziger dieser Märkte liefert derzeit einen positiven Impuls zum apano-Stimmungsindex! Nach den Notenbanken ist vor der US-Präsidentenwahl. Die Börsianer finden immer einen Grund, abwartend zu agieren. Da Überraschungen passieren können – viele Markteilnehmer wurden mit dem Brexit – Ergebnis auf dem falschen Fuß erwischt – ist es wahrscheinlich, dass im Vorfeld der Wahl die Großanleger ihre Kasseposition drastisch erhöhen werden. Deshalb wird vorerst wohl jeder größere Erholungsansatz schnell wieder in sich zusammen fallen. Zudem sind Aktien wegen ihrer fehlenden Gewinndynamik recht teuer. Dieses Thema wird bald wieder auf den Prüfstand kommen, denn in wenigen Tagen beginnt die Berichtssaison für das dritte Quartal. Allzu große Sorgen muss sich der Anleger trotzdem nicht machen, denn weit und breit gibt es keine echte Alternative zu Engagements in gut geführten Unternehmen. Anleger, die das ebenfalls so sehen und ihre strategischen Positionen aufstocken möchten, sollten auf eine antizyklische Kaufgelegenheit warten. Diese liegt momentan nicht vor, die gemessene Stimmung ist schlichtweg noch zu gut. Aber es ist gut vorstellbar, dass es im Oktober den ein oder anderen turbulenten Tag geben wird, der sich für Aufstockungen anbietet.

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