Anleihen sind ein wichtiger Bestandteil im Portfolio. Doch die Staatsverschuldung in Europa beeinflusst massiv die Anleihemärkte. Daher ist ein kritischer Blick insbesondere auf Staatsanleihen sinnvoll.

Anleger, die Staatsanleihen kaufen, leihen dem Staat ihr Geld und erhalten dafür entsprechende Zinsen. Noch vor zehn Jahren war dies für Investoren ein sich durchaus lohnendes Geschäft, das eine gute Mischung aus Sicherheit und Rendite mit sich brachte. Die Kehrseite war allerdings, dass Staatsanleihen es vielen Staaten über eine lange Zeit hinweg ermöglichten, über ihre Verhältnisse zu leben und sich immer weiter zu verschulden. Die Rechnung dafür präsentiert sich uns heute. Die Schuldenkrise hat Europa fest im Griff, das Vertrauen der Anleger in Anleihen ist getrübt. Der EU-Gipfel in Brüssel hat zwar einige Lösungsansätze hervorgebracht, wie die Währungsgemeinschaft stabilisiert werden kann, direkten Einfluss auf die Märkte hatte er indes nur kurz.

Fakt ist: Anleihen aus Ländern, deren Verschuldung moderat ist, erzielen derzeit kaum Renditen. Derzeit ist zum Beispiel die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen mit ca. 1,3 Prozent so niedrig wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland. Deutlich mehr Renditen werfen dagegen Anleihen aus Spanien (6,5%), Portugal (10,6%) oder Griechenland (32,6%) ab (Quelle: www.finanzen.net/anleihen). Das Ausfallrisiko dieser Länder ist genauso wie ihre Staatsverschuldung entsprechend groß. Selbst Deutschland, das als Zugpferd für Europa gehandelt wird, gilt mittlerweile unter Experten nicht mehr als risikoloser Schuldner. Denn die Bundesrepublik hat in der Euro-Krise viele Garantien abgegeben, wodurch sich ihre Bonität auf kurze Sicht verschlechtern könnte.

Für Anleger bieten Unternehmensanleihen eine weitere Möglichkeit, im Bondsbereich  zu investieren. Diese haben den
Vorteil, dass sie durch die Substanz eines Unternehmens abgedeckt sind. Einen 100-prozentigen Schutz der Ersparnisse bieten sie allerdings nicht. Gerät ein Unternehmen in Schwierigkeiten, hat der Gläubiger zwar einen rechtlichen Anspruch auf die Rückzahlung der Forderungen aus der Anleihe, jedoch werden diese aus der Konkursmasse bedient.

Experten rechnen nicht damit, dass sich die Erträge aus Anleihen in Europa kurzfristig ändern werden. Sie sehen aber verstärkte Chancen für Unternehmensanleihen aus den USA, denen sie ein positives Wachstum voraussagen. Stehen Staatsanleihen damit doch nicht ganz auf dem Abstellgleis? Die Zukunft wird zeigen, wo die Reise hingeht.

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One thought on “Auf dem Abstellgleis?”

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