Politiker möchten ablenken

Die deutsche Politikszene zieht Hedgefonds gerne als Schuldige für Fehlentwicklungen in der Wirtschaft und im Finanzsektor heran. Die Brandmarkung von Hedgefonds als das „Böse der Kapitalmärkte“ geht aber an der Wirklichkeit vorbei. Gerade in Fragen der Stabilität des internationalen Finanzsystems ist es existenziell, sich der korrekten Analyse nicht zu verweigern.

Egal, für welche Missstände Hedgefonds herangezogen werden – die jeweiligen politischen Inhalte werden auf einem stark vereinfachten Niveau dargestellt. Dies ist passend für ein Zeitalter, in dem Fernsehformate wie Talkshows lediglich Redebeiträge von ein bis zwei Minuten zulassen. Heutzutage sind ausführliche Analysen in politischen Debatten genauso wenig gefragt wie in den abendlichen Talkshowrunden. Doch Sachverhalte verkürzt darzustellen ist auch für die Politik kein Freifahrschein, die Realität zu verzerren – auch dann nicht, wenn sich diese mit der öffentlichen Wahrnehmung von Hedgefonds deckt.

Behauptet wird: Hedgefonds machten hochriskante Wetten. Sie seien zudem Verursacher der Finanzkrise. Sie spekulierten ferner gegen den Euro und wollten sogar aus der Pleite von Staaten Gewinn schlagen.

Richtig ist: Hedgefonds wetten auf fallende Aktienkurse oder Währungen. Doch ihre Eigenschaft, nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Märkte zu setzen, hat einen positiven, preisbereinigenden Effekt. Laut einer Studie der Deutschen Bank macht die verwendete Technik des Leerverkaufs die Preisfindung effizienter, erhöhten die Liquidität und erleichterten den Anlegern das Risikomanagement. Hedgefonds leisten so einen wertvollen Beitrag für die Funktionsfähigkeit und Fairness der Finanzmärkte.

Die während der Regulierungsdebatte im Jahr 2010 oftmals herangezogene Behauptung, Hedgefonds seien für die Euro-Krise verantwortlich, hat mit der Realität deshalb wenig gemein. Der Auslöser eben dieser Krise, die sich mit dem beinahe Staatsbankrott Griechenlands manifestierte, waren die Regierungen der EU-Staaten. So wurde in den Mitgliedsländern der Europäischen Union in den vergangenen Jahrzehnten ein gigantischer Schuldenberg angehäuft. Hedgefonds gehörten zu den Ersten, die die Fehlentwicklungen in Griechenland aufgedeckt haben und fungierten in diesem Zusammenhang weniger als Brandstifter und vielmehr als Feuermelder.

Insbesondere im Fall Griechenland und der danach entstandenen medialen Spekulanten-Debatte liegt die Vermutung nahe, dass die Politik von eigens gemachten Fehlern ablenken möchte. Doch dies darf nicht auf den Rücken von „üblichen Verdächtigen“ erfolgen. Vielmehr brauchen wir für eine sachliche, differenzierte Auseinandersetzung und einen ehrlichen Umgang mit dem Thema in der Öffentlichkeit.

Es ist die Pflicht der Politik, sich der Realität zu stellen und keine Stammtischparolen in die Öffentlichkeit zu tragen, auch wenn sie mit diesen auf mehr Akzeptanz stoßen.

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Terminkontrakte auf Wachstumskurs

Das Volumen von Terminkontrakten („engl. Futures“) ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Waren es 1999 gerade mal knapp über eine Million, wurden 2010 bereits über 11 Millionen Futures an den Märkten gehandelt (siehe Futures Industry Association). Damit zählen diese Märkte zu den liquidesten der Welt. Eine Handelsstrategie, die hauptsächlich Terminkontrakte nutzt, sind Managed Futures. 

Terminkontrakte sind entstanden, um das Bedürfnis von Unternehmern nach wirtschaftlicher Planungssicherheit zu erfüllen. Bei einem Terminkontrakt wird ein bestimmtes standardisiertes Gut zu einem zukünftigen fixen Zeitpunkt gekauft oder verkauft. Der Preis wird im Voraus vertraglich festgelegt. Steigt zum Beispiel der Marktpreis des Basisobjekts während der Kontraktlaufzeit, so erzielt der Käufer einen Gewinn. Der Verkäufer muss dagegen einen Verlust hinnehmen. Normalerweise wird ein Kontrakt nicht physisch erfüllt, sondern durch Eingehen einer identischen Gegenposition ausgeglichen. Käufer und Verkäufer treffen dabei fast nie direkt aufeinander. Vielmehr steht zwischen den Marktteilnehmern die Clearingstelle als Vermittler. Sie garantiert ihnen die pünktliche und exakte Erfüllung der Futures-Kontrakte. 

Heute liegen vor allem Finanzinstrumente wie Aktien oder Währungen zugrunde. Daneben gibt es Terminkontrakte auf reale Waren. Der erste standardisierte Terminkontrakt wurde Mitte des 19. Jahrhunderts auf Mais eingeführt. Er hatte das Ziel, die Ertragsschwankungen der Farmer zu verringern und ihre Ausgaben und Einnahmen vorhersehbarer zu machen. Geregelte Terminmärkte gibt es seit der Eröffnung des Chicago Board of Trade (CBOT), das 1848 von 82 Getreidehändlern gegründet wurde. Frühzeitliche Termingeschäfte wurden allerdings bereits in der Antike getätigt. Die erste Terminbörse, die den geregelten Handel mit Terminkontrakten erstmals möglich machte, entstand jedoch erst ausgangs des 17. Jahrhunderts in Osaka.

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