Dax gewinnt an Fahrt

Markus Sievers ist geschäftsführender Gesellschafter bei der apano GmbH, die er zusammen mit Kathrin Schaper-Nordhues und Detlev Reichert gründete. Seine Schwerpunkte liegen auf PR, Marketing und Vertrieb. Er studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung Betriebswirtschaft. Mehrere Jahre war er in führenden Positionen in der Fonds- und Finanzbranche tätig. Markus Sievers ist Autor verschiedener Fachbücher. Als Experte für Alternative Investments und Managed Futures tritt er regelmäßig in Print, Fernsehen und Hörfunk in Erscheinung. Er ist zudem Referent im Rahmen verschiedener Fachveranstaltungen.

Deutsche Unternehmen machen derzeit Rekordgewinne. Beim Export stehen sie nach China und den USA an dritter Stelle. Gleichzeitig ist die Rettung Griechenlands wieder einen Schritt weiter gekommen. Das sind gute Voraussetzungen für den Dax, die psychologische Hürde von 7.000 Punkten zu überspringen.

Nach einer Phase deutlicher Zurückhaltung bei Investitionen herrscht derzeit eine positive Stimmung unter den Aktionären. Momentan befindet sich viel Geld im Markt. Anleger haben ihr Kapital derzeit sehr kurzfristig angelegt – vornehmlich in Aktien, Anleihen und in Rohstoffen. Der Optimismus ist dabei durchaus fundamental begründet. Neben positiver Konjunkturentwicklung hierzulande und den Fortschritten bei der Stabilisierung Griechenlands wird zudem erwartet, dass die USA weiter gute Arbeitsmarktdaten liefern wird. Die hierdurch aufgebesserte Verbraucherstimmung sollte auch für eine Stabilisierung des dortigen Immobilienmarkts sorgen.

Langfristig könnte die Geldschwemme, die wir derzeit erleben, allerdings zu neuen Blasen wie beispielsweise im Rohstoffbereich führen. Zudem sehe ich die Gefahr, dass Aktien schnell überbewertet werden könnten. Ein weiteres Risiko geht von der immer prekärer werdenden Situation im Nahen Osten aus. Aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, wann es zu einem Militärschlag oder gar Krieg mit dem Iran kommen wird. Daher denke ich, dass die Nervosität an den Märkten im Laufe des Jahres zurückkommen wird. Wann dies geschieht, hängt von den oben genannten Risikofaktoren ab. 

Insgesamt bin ich optimistisch, was die kurzfristige Entwicklung des Dax anbelangt. Offen bleibt letztlich die Frage, wann der richtige Zeitpunkt zum Einstieg ist. Voraussichtlich würde ein Militärschlag im Iran-Konflikt einen solchen Zeitpunkt liefern.

Die Narren sind los

Martin Garske ist Prokurist und seit 2013 Fondsberater. Als Vertriebsdirektor betreute er zuvor seit 2002 institutionelle Kunden bei apano. Zuvor war er lange Zeit u.a. als Wertpapierberater/-betreuer bei der Dresdner Bank AG beschäftigt. Darüber hinaus arbeitete er bei der Dresdner S.A. Lux im Bereich International Private Banking und als Portfoliomanager und Vermögensverwalter.

Gestern gab es die bislang nicht dementierte Nachricht, dass die EZB ihre griechischen Alt-Anleihen in Höhe von geschätzten 50 Mrd. Euro in neue Schuldscheine tauschen würde. Die eigentliche Sensation war in einem Nebensatz versteckt: Die Tauschaktion wird so abgewickelt, dass für sie und die nationalen Notenbanken ein Gewinn anfällt.
Nun wissen wir ja alle, dass Griechenland-Anleihen seit dem Beginn der EZB-Käufe im Frühjahr 2010 bis jetzt im Wert um 50-70 Prozent gefallen sind und darüber hinaus derzeit auf ihren Tiefständen notieren. Wann auch immer sie gekauft hat, eigentlich sitzt die EZB auf riesigen Buchverlusten. Und genau hier legt sich die Stirn in Falten.

Faktisch verhält sich das nämlich also so: Ich kaufe einen nicht sonderlich gepflegten Gebrauchtwagen und fahre den dann gegen die Wand. Fast Totalschaden. Ist aber nicht schlimm. Denn ich finde einen Autohändler, der mir für den Haufen Schrott nicht bloß den Anschaffungspreis, sondern freundlicherweise sogar plus minus den Neupreis des Wagens bezahlt. Was denken Sie über diesen Autohändler? Genau: Der muss total besoffen sein. Ich frage mich nun, wer ist im Fall der EZB-Ramschbestände der besoffene Autohändler? Dabei beschleicht mich ein böser Verdacht: Das sind wir, das gemeine Volk.

Passend, dass diese Nachricht ausgerechnet am Altweiberfasching zusammen mit Konfetti und Kamellen über uns ausgeschüttet wurde. Aber weg für heute mit allen ketzerischen Gedanken! Feiern wir lieber gebührend das neue Jahreshoch im DAX und die 5. Jahreszeit. Und dann lassen wir uns bei beschwingten 1+x Promille am späten Rosenmontagabend überraschen, was uns die Euro-Finanzminister aus Brüssel Schönes zum Kauf anbieten werden. In diesem Sinne: Helau und Allaf!

Der Dax – Top oder Flop?

Markus Sievers ist geschäftsführender Gesellschafter bei der apano GmbH, die er zusammen mit Kathrin Schaper-Nordhues und Detlev Reichert gründete. Seine Schwerpunkte liegen auf PR, Marketing und Vertrieb. Er studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung Betriebswirtschaft. Mehrere Jahre war er in führenden Positionen in der Fonds- und Finanzbranche tätig. Markus Sievers ist Autor verschiedener Fachbücher. Als Experte für Alternative Investments und Managed Futures tritt er regelmäßig in Print, Fernsehen und Hörfunk in Erscheinung. Er ist zudem Referent im Rahmen verschiedener Fachveranstaltungen.

Trotz Schuldenkrise in Europa hat der Dax seit Jahresbeginn mehr als 14 Prozent zugelegt. Doch nach wie vor sind die Märkte nervös.

Die Aktienmärkte haben sich in den letzten Wochen außerordentlich positive entwickelt. Dabei hatte die Ratingagentur Standard & Poor´s im Januar für Irritation gesorgt, als sie die Bonität einiger Euro-Staaten herabgestuft hat. Doch die Börsen nahmen dies gelassen und stiegen kurz danach sogar leicht an. Denn die Aktienrally steht auf einem durchaus positiven Fundament. So trotzen die USA einer drohenden Rezession und Deflation und lieferten gute Arbeitsmarktdaten. Die Arbeitsmarktdaten sind wichtig, denn der amerikanische Endverbraucher ist großer Konsument und Treiber für die Wirtschaft. Auch China scheint weniger abzuschwächen als von vielen gedacht. Insgesamt entwickelte sich auch die deutsche Wirtschaft besser als vermutet. Sorgen wegen einer möglichen Rezession sind hierzulande damit erst einmal vom Tisch.

Aus meiner Sicht sind die Aktienmärkte heute durchaus nicht überbewertet. Doch die positiven Signale an den Märkten in den vergangenen Wochen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor deutliche Risiken vorhanden sind. Diese könnten in den kommenden Wochen und Monaten den Dax stark belasten. Neben der nach wie vor ungelösten Schuldenproblematik insbesondere Griechenlands verschärft sich zum Beispiel zunehmend auch der Konflikt im Nahen Osten um Iran. Kommt es zu einer Eskalation, sehe ich starke Auswirkungen auf die Ölpreise – sie werden wohl steigen. Die USA werden bei einer möglichen Eskalation sicher nicht tatenlos zusehen.

Insgesamt gehe ich 2012 von einem positiven Jahr aus. Die Nervosität an den Märkten darf allerdings nach wie vor nicht unterschätzt werden und der Entwicklung des Dax schnell wieder einen Dämpfer verpassen. Wer die Aktienrally mitgemacht hat, kann ja mal über Gewinnmitnahmen nachdenken. Derjenige, der die Rally bisher verpasst hat, sollte entsprechend vorsichtig investieren.

Der weite Weg Griechenlands

Obwohl ich mittlerweile seit über 20 Jahren in Deutschland lebe, bin ich immer noch sehr eng mit meiner griechischen Heimat verbunden, denn ein Teil meiner Familie lebt dort. Deswegen beobachte ich sehr interessiert und besorgt die aktuelle Situation in und um Griechenland.

In den Verhandlungen zwischen den privaten Anleihegläubigern, vertreten durch das Institute of International Finance (IIF) und der griechischen Regierung, deuteten sich letzte Woche erste Ergebnisse an. Eine vollständige Einigung zwischen den privaten Gläubigern und der Regierung gab es bislang jedoch noch nicht. Die Gespräche laufen mit Hochdruck auf höchster Ebene.

Der Kompromiss könnte darauf hinaus laufen, dass den Gläubigern gegen alte Griechenland-Anleihen und Schuldenverzicht neue Anleihen mit einer Laufzeit von 20 bis 30 Jahren angeboten werden – mit einer Verzinsung von jährlich zwischen 4 und 5 Prozent. Die Gläubiger Griechenlands hätten bei dieser Lösung einen Verlust von 68 Prozent zu verschmerzen!

Was wird dieser massive Schuldenerlass für das Land der Hellenen bedeuten? Eins ist sicher: Griechenland wird neben Italien das Sorgenkind der Euro-Zone bleiben! Bis sich das ändert, muss die griechische Regierung noch an vielen Baustellen hart arbeiten. Zum Beispiel an einer Reform des Staatsapparates. Denn ohne diese können die Staatsausgaben nicht reduziert werden, Steuern nicht effizient eingetrieben werden, Korruption nicht wirksam bekämpft und letztendlich die Wettbewerbsfähigkeit des Landes nicht verbessert werden.

Letzte Woche verlangte die „Troika“ von der griechischen Regierung noch härtere Sparmaßnahmen, unter anderem Kürzungen bei Sozialleistungen und Renten. Diese Maßnahmen in Zusammenhang mit einer weltweiten Rezession würden jedoch das Wirtschaftswachstum Griechenlands noch weiter abwürgen. Die Sparauflagen würden zu einer verschärften Rezession führen und das ambitionierte Ziel, das Haushaltsdefizit auf 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken, kann nicht erreicht werden.

Ich bin der Meinung, dass sowohl die Europäische Union als auch der Internationale Währungsfonds die Probleme der griechischen Verwaltung Reformen durchzusetzen, unterschätzt haben. Die bisher vereinbarten Maßnahmen konnten die Griechen nie termingerecht umsetzen und einhalten. Aber wenn die Probleme in der Bürokratie des Landes nicht beseitigt werden, sind weitere Reformen nahezu unmöglich und die Wirtschaft des Landes wird nicht in der Lage sein, auf die Beine zu kommen.

Selbstverständlich zählt der Schuldenschnitt zu den Grundsteinen der Rettung Griechenlands. Wenn dieses Thema für die Griechen erfolgreich abgeschlossen wird, können sie endlich strukturelle Reformen angehen, insbesondere die Verwaltung effizienter gestalten, Privatisierungen vorantreiben und den Bankensektor modernisieren. Mit der Hilfe der Europäischen Union können sie die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft erhöhen, indem sie in traditionellen Branchen wie Landwirtschaft, Tourismus und Reederei u.a. europäischen Fördergeldern möglichst effektiv einsetzen.

18 Prozent der Griechen sind momentan ohne Job, Tendenz steigend. Da frage ich mich, wo diese Menschen noch sparen sollen… Also erscheint mir die Reformierung des Landes als der einzige und richtige Weg zur Rettung Griechenlands. Und der kann sehr weit werden…

Droht uns ein heißer Herbst?

Christian Schmidt, Hedgefonds-Berater (ebs/BAI), ist Senior-Wertpapierspezialist und seit 2003 bei apano als Ansprechpartner für Finanzdienstleister tätig. Er hält regelmäßig Vorträge bei Anlegermessen und Fachveranstaltungen. Zuvor war er Geschäftsführungsassistent einer Dortmunder Steuerberatungskanzlei mit dem Schwerpunkt "Private Finance / Family Office" sowie Finanzplaner in einem Kölner Finanzdienstleistungsinstitut.

Es kriselt von Euro und Griechenland bis hin zu den USA. Ein heißer Herbst steht uns bevor, in politischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht. Denn Anleger und Märkte sind verunsichert. 

In Griechenland gleicht der politische Aktionismus Sofortmaßnahmen am Unfallort. Ein Geldpaket nach dem anderen wird eifrig geschnürt und verabschiedet. Doch bringen diese Rettungsmaßnahmen die gewünschte Stabilität? Nein. Meiner Ansicht nach sollte in Griechenland der Drachme wieder eingeführt werden, damit Griechenland wieder ein geldpolitisches Instrument hat, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die  Griechenland-Krise hat das Vertrauen in den Euro, der seit jeher mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hat, nachhaltig beschädigt. Hier bedarf es einer Reform, um der europäischen Idee ihre Stabilität wiederzugeben.

Der Blick über den Atlantik zeigt, dass auch hier die große Verunsicherung herrscht. Die USA haben selbst mit einer Schulden-Krise zu kämpfen. Dies ist vorwiegend bedingt durch strukturelle Probleme. Weiterhin drohen neue schwere Turbulenzen im Finanzsektor. Denn die Rating-Agentur Moody’s hat mehrere US-Geldhäuser herabgestuft. Mit geldpolitischen Entscheidungen wird lediglich versucht, Zeit zu kaufen.

Auch die Börsen sind überhitzt. So stürzte der DAX zeitweise unter 5000 Punkte, während die Konjunktursorgen der US-Notenbank Fed die Börsen kräftig ins Minus drückten. Täglich werden neue Krisenszenarien ausgerufen. Doch meiner Meinung nach ist die Stimmung schlechter als die Lage. Die Börse ist ein Ort, an dem Optimisten und Pessimisten aufeinandertreffen und austragen, wer von ihnen letztendlich Recht hat.

Trotz der überhitzten Stimmung blicke ich dem Herbst etwas gelassener entgegen. Schließlich haben Trendfolger in den letzten zwei Monaten positive Ergebnisse verzeichnet. Das hat uns von apano wieder einmal gezeigt, dass Trendfolger ein wichtiger Baustein sind, um Marktschwankungen besser abzufedern.

Wir sind gespannt, welche Stimmungsfärbung der Herbst noch bereit hält. Doch ob heiße oder stürmische Wetterlage an den Märkten – das Wichtigste ist, einen kühlen Kopf zu bewahren.  

Interview mit Christian Schmidt, Vertriebsspezialist von apano, im Börsenradio September 2011. Erwartet uns ein „Heißer Herbst“?

 Boersenradio


Marktunabhängig investieren

Markus Sievers ist geschäftsführender Gesellschafter bei der apano GmbH, die er zusammen mit Kathrin Schaper-Nordhues und Detlev Reichert gründete. Seine Schwerpunkte liegen auf PR, Marketing und Vertrieb. Er studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung Betriebswirtschaft. Mehrere Jahre war er in führenden Positionen in der Fonds- und Finanzbranche tätig. Markus Sievers ist Autor verschiedener Fachbücher. Als Experte für Alternative Investments und Managed Futures tritt er regelmäßig in Print, Fernsehen und Hörfunk in Erscheinung. Er ist zudem Referent im Rahmen verschiedener Fachveranstaltungen.

Mit Long-Short-Strategien können Anleger in schwierigen Marktphasen ihre Portfolios absichern. Denn Long-Short-Strategien können gänzlich unabhängig vom Markt agieren. Der Aufbau von Short-Positionen macht es möglich.

Negative Markttrends gab es in den vergangenen Wochen zuhauf. Ausgelöst wurden sie u.a. durch die Staatsverschuldung vieler europäischer Länder. Spitzenreiter ist Griechenland. Doch inzwischen stehen auch weitere europäische Staaten an der Schwelle zur Überschuldung. Um die Haushalte zu disziplinieren, sind längst Sparpakete auf den Weg gebracht bzw. geplant. Derartige Maßnahmen bleiben nicht folgenlos. Insbesondere das Wegbrechen von Aufträgen an die Industrie wird europaweit spürbar sein. Sinkt das Vertrauen der Kapitalgeber und kommt es zu inflatorischen Tendenzen, so sind langfristig steigende Zinsen mehr als wahrscheinlich. Über den Atlantik geschaut sieht es nicht  besser aus: Die Staatsverschuldung der USA liegt bei knapp 100 Prozent des BIP. Zudem ist der Verfall der Immobilienpreise noch nicht gestoppt. Der US-Binnenkonsum stagniert außerdem auf relativ niedrigem Niveau. Und auch der Wachstumskurs des Hoffnungsträgers China kann zu einem Fallstrick für das Reich der Mitte werden. Die Immobilienpreise sind in den vergangenen zwei Jahren um bis zu 50 Prozent gestiegen. Eine Spekulationsblase droht, weil die Wirtschaft rasant wächst und durch die zu lockere Geldpolitik große Geldmengen in den Markt fließen. Wenn die Blase platzt, wird sie zur Gefahr für Chinas Aufschwung und damit für die Weltkonjunktur insgesamt. Denn mittlerweile hängen viele globale Industrien, wie z.B. die Elektro-, Textil- und Autoindustrie, an dem Tropf des asiatischen Staates.

Long-Short-Strategien haben in einem derartigen Umfeld das Potenzial, das Portfolio bei Kursverlusten an den Märkten zu stabilisieren. Sie können von einer Out- oder Underperformance eines Wertes profitieren, ohne dass die Marktrichtung eine Rolle spielt. Zu den Instrumenten, mit denen Manager „short“ gehen können, zählen neben dem klassischen Leerverkauf auch Terminkontrakte, Optionen und CFD. Sie bieten den Long-Short-Managern die Möglichkeit, marktneutrale Strategien in praktisch allen Märkten wie z.B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen etc. darzustellen.

In Zeiten steigender globaler Unsicherheiten wird es immer wichtiger, den Aufbau des Portfolios noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Durch eine breite Diversifizierung, zum Beispiel auch mit Long-Short-Strategien, können Anleger sich vor heftigen Kurseinbrüchen schützen.

Politiker möchten ablenken

Markus Sievers ist geschäftsführender Gesellschafter bei der apano GmbH, die er zusammen mit Kathrin Schaper-Nordhues und Detlev Reichert gründete. Seine Schwerpunkte liegen auf PR, Marketing und Vertrieb. Er studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung Betriebswirtschaft. Mehrere Jahre war er in führenden Positionen in der Fonds- und Finanzbranche tätig. Markus Sievers ist Autor verschiedener Fachbücher. Als Experte für Alternative Investments und Managed Futures tritt er regelmäßig in Print, Fernsehen und Hörfunk in Erscheinung. Er ist zudem Referent im Rahmen verschiedener Fachveranstaltungen.

Die deutsche Politikszene zieht Hedgefonds gerne als Schuldige für Fehlentwicklungen in der Wirtschaft und im Finanzsektor heran. Die Brandmarkung von Hedgefonds als das „Böse der Kapitalmärkte“ geht aber an der Wirklichkeit vorbei. Gerade in Fragen der Stabilität des internationalen Finanzsystems ist es existenziell, sich der korrekten Analyse nicht zu verweigern.

Egal, für welche Missstände Hedgefonds herangezogen werden – die jeweiligen politischen Inhalte werden auf einem stark vereinfachten Niveau dargestellt. Dies ist passend für ein Zeitalter, in dem Fernsehformate wie Talkshows lediglich Redebeiträge von ein bis zwei Minuten zulassen. Heutzutage sind ausführliche Analysen in politischen Debatten genauso wenig gefragt wie in den abendlichen Talkshowrunden. Doch Sachverhalte verkürzt darzustellen ist auch für die Politik kein Freifahrschein, die Realität zu verzerren – auch dann nicht, wenn sich diese mit der öffentlichen Wahrnehmung von Hedgefonds deckt.

Behauptet wird: Hedgefonds machten hochriskante Wetten. Sie seien zudem Verursacher der Finanzkrise. Sie spekulierten ferner gegen den Euro und wollten sogar aus der Pleite von Staaten Gewinn schlagen.

Richtig ist: Hedgefonds wetten auf fallende Aktienkurse oder Währungen. Doch ihre Eigenschaft, nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Märkte zu setzen, hat einen positiven, preisbereinigenden Effekt. Laut einer Studie der Deutschen Bank macht die verwendete Technik des Leerverkaufs die Preisfindung effizienter, erhöhten die Liquidität und erleichterten den Anlegern das Risikomanagement. Hedgefonds leisten so einen wertvollen Beitrag für die Funktionsfähigkeit und Fairness der Finanzmärkte.

Die während der Regulierungsdebatte im Jahr 2010 oftmals herangezogene Behauptung, Hedgefonds seien für die Euro-Krise verantwortlich, hat mit der Realität deshalb wenig gemein. Der Auslöser eben dieser Krise, die sich mit dem beinahe Staatsbankrott Griechenlands manifestierte, waren die Regierungen der EU-Staaten. So wurde in den Mitgliedsländern der Europäischen Union in den vergangenen Jahrzehnten ein gigantischer Schuldenberg angehäuft. Hedgefonds gehörten zu den Ersten, die die Fehlentwicklungen in Griechenland aufgedeckt haben und fungierten in diesem Zusammenhang weniger als Brandstifter und vielmehr als Feuermelder.

Insbesondere im Fall Griechenland und der danach entstandenen medialen Spekulanten-Debatte liegt die Vermutung nahe, dass die Politik von eigens gemachten Fehlern ablenken möchte. Doch dies darf nicht auf den Rücken von „üblichen Verdächtigen“ erfolgen. Vielmehr brauchen wir für eine sachliche, differenzierte Auseinandersetzung und einen ehrlichen Umgang mit dem Thema in der Öffentlichkeit.

Es ist die Pflicht der Politik, sich der Realität zu stellen und keine Stammtischparolen in die Öffentlichkeit zu tragen, auch wenn sie mit diesen auf mehr Akzeptanz stoßen.

http://www.apano.de/static/download/ES_Streitbare_Suendenboecke3011_Essay.pdf

Wie Griechenland geholfen werden kann (2)

Martin Garske ist Prokurist und seit 2013 Fondsberater. Als Vertriebsdirektor betreute er zuvor seit 2002 institutionelle Kunden bei apano. Zuvor war er lange Zeit u.a. als Wertpapierberater/-betreuer bei der Dresdner Bank AG beschäftigt. Darüber hinaus arbeitete er bei der Dresdner S.A. Lux im Bereich International Private Banking und als Portfoliomanager und Vermögensverwalter.

Die Forderung nach einer Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung Griechenlands hat erheblichen Schaden angerichtet. Denn die anfänglich angeblich völlig freiwillige Beteiligung ist mittlerweile zu einer Diskussion um einen harten Schuldenschnitt mit massivem Forderungsverzicht mutiert. Frontrunner ist die SPD, aus deren Reihen die Empfehlung für einen 40 bis 50% Haircut kommt. Die Politik pokert damit  gefährlich hoch, denn sie riskiert ihre Glaubwürdigkeit. Und das bereits jetzt, wo die europäische Staats-Schuldenkrise gerade erst begonnen hat, richtig Fahrt aufzunehmen.

Werden Sie Italien oder Portugal weiterhin Geld leihen, wenn Griechenland 30 bis 50% seiner Schulden erlassen bekommt und Sie davon ausgehen müssen, dass diese „Lösung“ copy-paste auch bei den anderen Problemstaaten angewendet wird? Werden Sie weiterhin Aktien kaufen, während  die Banken ums nackte Überleben kämpfen? Oder flüchten wir dann alle kollektiv ins unproduktive aber sichere Gold?   

Das Ganze ist wie ein schlechter Witz: aus wahltaktischen innenpolitischen Gründen wurde zunächst eine Beteiligung der privaten Gläubiger gefordert, wobei der Anteil der deutschen Privatinvestoren bei rund 3 Milliarden Euro liegen sollte. Die Ratingagenturen drohten jedoch damit, diese Fußnote als teilweisen Zahlungsausfall anzusehen. Dies verunsicherte auch die letzten tapferen Anleger und deren Käuferstreik führte zu verheerenden Wirkungen: die Buchmacher an den Börsen setzten bei niedrigen Umsätzen und deftigen Geld-Brief-Spreads die Kurse der griechischen Staatsanleihen Tag für Tag weiter nach unten. Inzwischen fehlen den Bonds 20% seit ihrem Zwischenhoch Anfang Juli. Dieses hatten sie kurz nach der erfolgreichen Abstimmung des griechischen Parlaments über das Sparpaket erreicht. Schauen wir uns nur die kurzen Restlaufzeiten bis 2014 an, so reden wir von rund 17 Milliarden Euro, die seitdem an Buchverlusten entstanden sind.  Hinzu kommen Verluste, die seitdem an den Aktienmärkten durch Vertrauensschwund generiert wurden. Vergleichen Sie das mit dem Beitrag, der von privaten Gläubigern eingeschossen werden soll und ziehen wir Zwischenbilanz, dann haben wir das, was im Volksmund Milchmädchenrechnung heißt.

Aber das ist nicht alles: die Sturheit diverser Politiker hat erst ermöglicht, dass sich der Gedanke an einen harten Schuldenschnitt heranschleichen konnte  –  noch vor 14 Tagen galt dies als völliges Tabu. Aber die Verzögerungstaktik hat die Nerven aller Beteiligten überstrapaziert. Zudem suggerierten die immensen weiteren Kursverluste griechischer Staatsanleihen fälschlicherweise eine dramatische weitere Verschlechterung der Zustände. So wurde das Tor zur Kapitulation vor den hellenischen Schulden weit aufgestoßen, obwohl das griechische Parlament gerade erst alle europäischen Vorbedingungen erfüllt hat. Sollte ein Schuldenschnitt kommen, so erwarte ich Übles für die Märkte. Anstelle von Kalkulierbarkeit für Anleger, gestützt durch Politikerehrenwort, tritt dann völlige Unberechenbarkeit. Das wird sich von Dublin bis Rom auswirken.

Noch gibt es ein paar vernünftige Alternativen. Eine davon ist die, welche ich in meinem letzten Blog vorgeschlagen habe. Der Preiseinbruch der Anleihekurse seit Anfang Juli  hat diese Option für Griechenland sogar noch lukrativer gemacht. Laut „Süddeutsche Zeitung“  verfolgt auch das deutsche Finanzministerium diese Idee und hat sie sogar schon durchgerechnet. Es kommt dabei laut „Spiegel“ zu dem Ergebnis, dass Griechenland durch den Rückkauf seiner Schulden diese um bis zu 20 Milliarden Euro drücken könnte. Diese Zahl halte ich zwar für zu optimistisch, da ein offizielles Rückkaufprogramm die Kurse deutlich nach oben anschieben würde. Zudem ist unklar, wie viel Material die Anleger während der Laufzeit über die Börse anbieten werden. Aber egal: Im Konzert mit anderen monetären Maßnahmen lässt sich daraus eine ebenso seriöse wie solide Lösung für Griechenland bauen. Darum, liebe Politiker: wir brauchen keine riskanten Haircut-Experimente!

Wie Griechenland geholfen werden kann (1)

Martin Garske ist Prokurist und seit 2013 Fondsberater. Als Vertriebsdirektor betreute er zuvor seit 2002 institutionelle Kunden bei apano. Zuvor war er lange Zeit u.a. als Wertpapierberater/-betreuer bei der Dresdner Bank AG beschäftigt. Darüber hinaus arbeitete er bei der Dresdner S.A. Lux im Bereich International Private Banking und als Portfoliomanager und Vermögensverwalter.

 Griechenland hat ein paar Monate Zeit gewonnen.  Die Börsen haben das gefeiert, aber noch viel deutlicher stiegen die Griechenland Anleihen, nämlich um fast 7%. Die Rendite meiner Anleihe, die ich am 28. Juni gekauft habe, ist dadurch von weit über 30% p.a. auf unter 26% p.a. gefallen. Damit liegt der Preis für griechische Staatsanleihen aber dennoch weiterhin auf Ramsch-Niveau. Und das, obwohl das Ausfallrisiko insbesondere der kurzen Laufzeiten ein ganzes Stück gesunken ist. Außerdem fehlt die Nachfrageseite im Markt nach wie vor, weil Banken, Fondsmanager und Versicherungen aus den in meinem letzten Blog beschriebenen Gründen nicht kaufen dürfen. Exakt hierin liegt eine einmalige Chance für den griechischen Staat.

Er sollte einfach den Spieß umdrehen und die grottenschlechte Beurteilung durch die Ratingagenturen in einen höchst lukrativen Vorteil für sich verwandeln.  Die Idee: Griechenland kauft seine kurzfristigen Staatsanleihen und damit seine eigenen Schulden über die Börsen zum Schnäppchenpreis zurück.  Je nach Laufzeit der Anleihen kann Hellas somit 1 Euro Schulden derzeit mit einem Abschlag von bis zu 40% tilgen. Die zwischen 2012 und 2014 laufenden Anleihen kosten nämlich weiterhin nur 60 bis 86 Cents pro 1 Euro Nennwert.   

So einfach könnte es funktionieren: Das Geld leihen die Geberinstitute, z.B. der IWF.  Sie räumen dem griechischen Staat eine Art Sonderziehungsrecht ein. Also einen revolvierenden Topf, auf den Griechenland zugreift, sobald es neue Rückkäufe im Markt vorgenommen hat. Diese Art der Entschuldung ist höchst elegant. Keine Ratingagentur kann die Vorgehensweise als Zahlungsausfall deuten und  zudem tut sie dem griechischen Bürger nicht weh. Natürlich rechnet sich dieses Rückkaufprogramm nur so lange, wie solch hohen Preisabschläge zum Nennwert der Anleihen bestehen. Deshalb muss es still und leise von statten gehen, denn sonst gibt es kein Angebot mehr zu diesen Schleuderpreisen.  Das Geld für den Topf kann wegen der konkreten Zielsetzung für Aufkäufe von Fälligkeiten bis Ende 2012 aus der alten 110-Milliarden-Linie und ab 2013 aus dem neuen 120-Milliarden-Paket kommen, das in Kürze verhandelt wird. Es ist also kein einziger neuer Kredit-Euro erforderlich.

Griechenland könnte mit diesem Topf eine faktisch risikolose Rendite erzielen, die selbst anspruchsvollste Menschen wie Herrn Ackermann zufrieden stellen würde.  Eine effizientere und zugleich stringentere Art von Schuldentilgung ist kaum darstellbar. Wie drückt sich dies in konkreten Zahlen aus?  Wenn wir die Laufzeiten bis Mitte 2014 anschauen, so reden wir laut französischem Bankenverband von ca. 85,5 Milliarden Euro an ausstehenden Bonds der Republik Griechenland.  Gelingt es  dem griechischen Staat, nur 15% davon im Markt zurückzukaufen zu einem Durchschnittspreis von sagen wir 75%, dann erreicht Griechenland damit eine Schuldenreduzierung von 3 Milliarden Euro.  Das ist mehr als ein Zehntel dessen, was das Land an Ausgabenkürzungen und Steuerhöhungen bis 2015 bei seinen Bürgern durchsetzen muss.  3 Milliarden sind immerhin fast 1% der griechischen Staatsschulden, also eine bemerkenswerten Größenordnung.

Zudem gäbe es noch einen stabilisierenden Nebeneffekt. Der mit den Rückkäufen verbundene stetige Kursanstieg bringt das Vertrauen auch in die langen Laufzeiten zurück. Die Renditen sinken und das könnte Griechenland vielleicht sogar die Möglichkeit verschaffen, sich mittelfristig selbst wieder am Markt mit frischem Geld zu versorgen. Und wer weiß: Vielleicht werden dann sogar die Ratingagenturen ihre Bonitätseinstufung für Anleihen aus Hellas wieder anheben.

Game over für Griechenland? (3)

Martin Garske ist Prokurist und seit 2013 Fondsberater. Als Vertriebsdirektor betreute er zuvor seit 2002 institutionelle Kunden bei apano. Zuvor war er lange Zeit u.a. als Wertpapierberater/-betreuer bei der Dresdner Bank AG beschäftigt. Darüber hinaus arbeitete er bei der Dresdner S.A. Lux im Bereich International Private Banking und als Portfoliomanager und Vermögensverwalter.

Es ist soweit: Das griechische Parlament wird morgen die Sparbeschlüsse absegnen, eine abgemilderte Version erbitten oder auf Konfrontationskurs mit der EU einschwenken. Es wäre sinnlos verschwendete Energie, schnell noch nach Delphi zu reisen um das Orakel zu befragen, was es dazu denkt. Spätestens Donnerstag werden wir es ohnehin wissen.   

Geht es Ihnen auch so? Im unmittelbaren Vorfeld der Entscheidung überlege ich, wie ich dabei sein kann, wenn die Finanzmärkte die Entscheidung feiern. Aber natürlich ohne dabei Kopf und Kragen zu riskieren. Denn es kann ja auch zur großen Panik an den Börsen kommen, falls das Sparpaket in Athen durchfällt.   

Meine Aktienquote habe ich schon vor einigen Wochen deutlich reduziert.  Den EuroStoxx mit seinen vielen Finanzwerten meide ich derzeit komplett. Wichtig ist es mir, einen  Managed-Futures-Fonds im Depot zu haben. Falls nämlich die Märkte geschockt reagieren, gibt es eine Flucht in Kasse. Dadurch entstehen ausgeprägte und starke Trends an den Aktien-, Rohstoff- und Anleihemärkten. In solchen Marktphasen performen Trendfolgesysteme meistens hervorragend.

Ich hoffe, dass mein Managed-Futures-Fonds  dann die Verluste meiner Aktien egalisieren kann, so wie zuletzt im Herbst 2008. Umgekehrt können Trendfolgesysteme aber auch zu den Gewinnern gehören, wenn die Finanzmärkte in Feierstimmung geraten. Hauptsache es gibt eine klare und nachhaltige Richtung. Derzeit sind die meisten Handelssysteme defensiv aufgestellt, weil es an Trends mangelt. Es sollte ihnen also gelingen, sich schnell auf die richtige Seite zu stellen, wenn die Märkte nach oben oder unten ausbrechen.

Meine riskanteste Position ist, dass ich mir soeben für einen Bruchteil meines Geldes eine kurzlaufende Griechenland-Staatsanleihe gekauft habe. Die Rendite hierfür liegt derzeit bei verlockenden 30%. Warum ist diese so extrem hoch? Zum einen, weil das Risiko eines Teilausfalls hoch ist und sogar Totalverlust nicht auszuschließen ist. Zum andern, weil die Markttechnik völlig verzerrt ist. Denn institutionelle Anleger wie z.B. Banken und Versicherungen, aber auch die meisten Vermögensverwalter und Fondsmanager dürfen diese Anleihe weder kaufen noch im Bestand ihrer Kunden führen. Das hängt damit zusammen, dass die Ratingagenturen Griechenland als so-gut-wie-Pleite-Kandidat eingestuft haben (CCC).

Es ist den Bankberatern und Fondsmanagern schlichtweg untersagt, Anleihen solcher Schuldner zu empfehlen oder mit dem Geld der Kunden Produkte mit einem solchen Votum zu kaufen und in Fonds, Vermögensverwaltungen oder Versicherungen zu packen. Einer Privatperson hingegen steht diese Entscheidung frei. Wenn  Griechenland  den Staatsbankrott vermeiden kann, wird diese Anleihe bei Fälligkeit in 11 Monaten einen prozentual deutlich höheren Gewinn abwerfen, als aus den Aktienmärkten selbst bei Unterstellung eines hoch optimistischen Szenarios erwartet werden darf.  Haben die Politiker jedoch gelogen, und ich werde als Privatanleger gegen meinen Willen doch zu einer Umschuldungs-Hilfsmaßnahme  gezwungen, so gehe ich davon aus, dass ich dann in etwa null auf null rauskomme, da ja die 30% Rendite einen guten Risikopuffer bilden. 

Falls jedoch Hellas Staatsbankrott anmeldet, ist diese Investition futsch.  Deshalb bin ich nur mit so viel Prozent meines Geldes eingestiegen, wie ich als vorsichtiger Anleger durchschnittlich in 1 Jahr an Rendite erwirtschafte. Zusammen mit meiner reduzierten Aktienquote, meinem Managed Futures Fonds und einer hohen Quote Cash fühle ich mich nun gut aufgestellt für das, was ich vorhatte: Chancen nutzen, Risiken weitgehend vermeiden.